Schule unterwegs

Die erste Frage, die wir von allen gestellt bekommen, die von unserer Weltreise hören, ist: „Ja, und wie macht ihr das mit der Schule???“  Bei vier schulpflichtigen Kindern eine durchaus berechtigte Frage. Wir haben, noch vor den Sommerferien, an die jeweiligen Schulen ausführliche Anträge auf Befreiung vom Unterricht verfasst und diese sehr schnell und unkompliziert genehmigt bekommen. Ob dies daran lag, dass unsere Kinder alle sehr gute Schüler sind, dass ich Grundschullehramt studiert habe, wir einfach Glück hatten,… Keine Ahnung! Wir haben uns jedenfalls darauf verständigt, dass ich die Kinder unterrichte und alle, nach dem Jahr, Aufnahmeprüfungen machen, um in ihre Klassen zurück zu dürfen.

Diese Formalitäten waren bei uns der einfache Part. Viel anstrengender und zeitaufwendiger ist natürlich die Vorbereitung von einem Jahr Schule unterwegs. Da wir am 1. April starten müssen wir den Stoff für jeweils 2 Schuljahre mitnehmen, das bedeutet bei 4 Kindern 8 Schuljahre!!! Schon letztes Jahr habe ich begonnen mich mit den einzelnen Lehrern zu treffen und auszutauschen. Alle sind sehr hilfsbereit und wollen mir die Klassenarbeiten per E-Mail zuschicken. Da wir wahrscheinlich oft kein Internet und manchmal auch keinen Strom haben werden, nehmen wir für die Hauptfächer Arbeitshefte mit, die die Kinder überall bearbeiten können. Diese können wir dann immer einfach wegwerfen, wenn sie fertig beschrieben sind. Schulbücher können wir keine mitschleppen. Da unsere Schulen leider keine digitalen Schulbücher einsetzen, habe ich lange mit den verschiedenen Verlagen kommuniziert. Für einen Teil der Schulbücher habe ich die digitalen Ausgaben nun umsonst bekommen, für andere musste ich die Lizenzen für das Jahr käuflich erwerben. Wieder andere Materialien wurden (und werden noch) eingescannt.

Wie dann das Lernen im Zelt, Hostel oder wo auch immer klappt, werden wir sehen. Die Kinder sind alle sehr motiviert und zuversichtlich. Als wir 2012 ein halbes Jahr in der Schweiz waren, habe ich sie auch selber unterrichtet. Mit minimalem Aufwand sind sie hinterher sehr gut wieder in der Schule mitgekommen. Allerdings sind die Jungs jetzt nicht mehr in der Grundschule und 7./8. Klasse G8 ist sicherlich etwas anderes.

Da dieses Thema, in den wenigen Blogs von Familien mit schulpflichtigen Kindern, etwas kurz kommt, werde ich versuchen genauer zu erzählen wie es bei uns so läuft mit dem Unterricht.

 

Erster Zwischenstand

Jetzt sind wir schon seit sieben Wochen unterwegs. Diese Woche haben wir die ersten Klassenarbeiten von Zuhause per Mail bekommen. Da wird es Zeit, etwas zum Thema „Schule“ zu schreiben.

Ich versuche mal, Schule von zwei Seiten aus zu beschreiben.

Die Erste ist die klassische Schule, also Mathematik, Deutsch, Englisch, usw. als Schulfächer, mit den dazugehörigen Materialien. Diese normale Art von Unterricht ist uns bisher sehr schwer gefallen. Wir hatten nur sehr selten brauchbares Internet. Ein Zugriff auf unsere Online-Materialien war dadurch so gut wie nicht möglich. Außerdem sind wir oft nur kurz an einer Stelle gewesen. Alles auszupacken und sich zum Arbeiten hinzusetzen hat sich meistens gar nicht gelohnt. Wir hatten auch nur selten die Gelegenheit uns an einen Tisch zu setzen. Ich glaube mit einem, vielleicht auch noch mit zwei Kindern wäre es deutlich einfacher gewesen. Jeder von uns hätte sich gezielt mit einem Kind hinsetzen können und die Materialien und Fächer wären überschaubarer. Wir haben versucht, das Beste aus den jeweiligen Situationen zu machen. Da ich recht viel Arbeitshefte mithabe, in denen die Vier alleine arbeiten können, haben wir immer, sobald Zeit und Sitzmöglichkeiten gegeben waren, darin gearbeitet. Thomas und ich waren verfügbar für Fragen. Bei Jesco waren wir entsetzt, wie viel er anscheinend im letzten Jahr in der Schule mit Taschenrechner gerechnet hat. Die ersten Stunden haben wir alle Grundrechenarten, Komma- und Bruchrechnung erst mal wiederholt…

Tja, soviel zum „normalen“ Schulunterricht.

Die andere Art von Schule läuft nebenher, immer, überall. Seit London hören alle den ganzen Tag Englisch und wie schon letzten Sommer in Irland, hat keiner Hemmungen sich auch im Sprechen zu üben. Von alleine gehen die Kinder auf Menschen zu und unterhalten sich. Selbst Nadira versteht das Meiste und schafft es auch, sich verständlich zu machen. Schilder auf Englisch werden genauso gelesen, wie Plakate oder Broschüren. Führungen und Erklärungen auf Englisch, muss ich nur für Tamina noch übersetzen.

Auf Deutsch unterhalten wir uns und erklären Begriffe oder verbessern den Ausdruck und die Satzstellung. Die Kindles, die jeder letztes Jahr zum Geburtstag bekommen hat, sind täglich im Einsatz. Nadira und Tamina verlangen nach mehr Büchern und lesen richtig viel und gut. Wenn sie Lust haben können alle Artikel für den Blog schreiben, außerdem haben sie schon Berichte an die Klassen über Südafrika geschickt. Gerade schreiben sie etwas über Namibia. Dabei versuchen wir, sie nicht zu viel zu korrigieren, damit sie Spaß am Schreiben behalten.

Rechnen müssen alle immer beim Einkaufen oder Planen von Unternehmungen und Übernachtungen. Schließlich muss immer erst alles umgerechnet werden in Euro und dann gegebenenfalls noch mit der Anzahl der Personen multipliziert werden. Manchmal zahlen Kinder die Hälfte, da gibt es genug zu rechnen für alle.

Biologie, Geologie, Politik, Geschichte, Physik und Chemie ist auch dauernd dabei. Jeden Tag gibt es wieder andere Tiere oder Pflanzen am Wegrand. Wir sind in so unterschiedlichen Landschaften unterwegs, treffen Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen, versuchen das Land, wie es sich uns zeigt, zu verstehen. Natürlich ist all dies nicht im Lehrplan der jeweiligen Klassen, aber ich glaube, was sie hier lernen, behalten alle im Gedächtnis.

Dazu kommen noch so viele soziale Fertigkeiten und Selbstvertrauen. Jeder lernt seine Stärken für alle einzusetzen und gleichzeitig die Schwächen der Anderen zu akzeptieren.

Zusammengefasst würde ich sagen, wir alle haben in den knapp 2 Monaten sehr, sehr viel gelernt. Nicht unbedingt den ganzen Stoff, den die Vier in der Zeit in der Schule gelernt hätten. Aber doch so viel davon, dass wir uns bisher keine Sorgen machen, hinterher die Aufnahmetests zu bestehen. Ich habe es mir leichter vorgestellt, regelmäßig Unterricht zu machen. Auf der anderen Seite hatte ich unterschätzt, wie viel Englisch und auch andere Sachen alle unterwegs einfach so lernen. Mal sehen, wie es in Sri Lanka und Malaysia wird.

6 Kommentare

  1. Carolin Doering sagt

    Ich finde die Idee mit der Weltreise cool, und würde es selber gerne auch mal machen. Ich wünsche euch viel spaß bei eurer Weltreise und werde euren Blog verfolgen…

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  2. stefanienk sagt

    Ich finde es hervorragend das ihr so etwas mit euren Kindern macht, und vor vorallem es durchzieht !
    Geniesst es und bleibt gesund.
    Ich kann mir vorstellen das es viele Leute gibt die das Kritisch beurteilen. Die einfach ignorieren!

    Für Singapur und Australien hätte ich euch paar super tips, wenn ihr welche brauchen sollte!
    Safe travels!

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    • Hallo Stefanie,
      die ganze Zeit waren Singapur und Australien noch ganz weit weg…
      Morgen fahren wir jetzt für 14 Tage nach Singapur. Wenn du Zeit hast, kannst du ja mal mailen.
      Liebe Grüße,
      Jana

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  3. Sophie Arnold sagt

    Ich finde es toll, das ihr die Weltreise macht. Ihr seht jetzt die Welt und habt auch einen Einblick in die unterschiedlichsten Kulturen. Viel Spaß weiterhin

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    • Jesco sagt

      Hallo Sophie
      Schön, dass du unseren Blog liest. Ich genieße das Jahr auch sehr!!! Gerade in den letzten Wochen habe ich viel über Muslime gelernt, da wir in einem kleinen Dorf waren, indem nur Muslime gelebt haben. Zum Ende vom Ramadan waren wir in viele Familien eingeladen.
      Viele Grüße auch nach Fahrenbach
      Jesco

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