Malaysia
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Malaysia – Land und Leute

Mit unserem Mietwagen fuhren wir von Penang los Richtung Osten. In Butterworth hielten wir nochmal an einem großen Einkaufszentrum an, um uns mit Wasser und ein paar Lebensmitteln zu versorgen. In einem Sportgeschäft bekamen wir billige Schnorchel und Masken, außerdem UV-Schutz T-Shirts für Thomas, die Mädchen und mich.

Danach fuhren wir einige Stunden durch Palmplantagen und recht unbewohnte Gegenden. Die Straße war relativ leer und es ging ganz gut vorwärts. Nachmittags hielten wir in Baring.

In dem Hotel saßen zwei Angestellte halb schlafend über ihre Handys gebeugt.

Der ganze Ort schien wie in einen Dornröschenschlaf versetzt. Alle Geschäfte hatten zu, sogar internationale Ketten wie KFC. Aber dafür bekamen wir ein großes Zimmer für wenig Geld. Die Kinder schliefen wieder auf ihren Isomatten umsonst. Zum Glück hatten wir noch ein bisschen Obst und Brot, so dass wir einfach im Zimmer was aßen und früh ins Bett gingen.

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter. Auf einer Karte hatten wir gesehen, dass wir an einem Nationalpark vorbeikommen, dem Belum Rainforest. Im Internet gab es nicht viel darüber, außer ein teures Resort, von dem aus man Ausflüge buchen konnte. Dort wollten wir nicht hin, da es unser Budget deutlich überstieg. Wir hatten die Hoffnung, am Eingang des Nationalparks direkt zu fragen, welche Wanderung man machen kann, ähnlich wie wir es auf Penang gemacht hatten.

Leider fanden wir nur das Resort und ein leeres Infozentrum. Auch hier scheint durch den Ramadan alles auf Stillstand zu sein. Einen echten Eingang mit Büro gab es nicht, oder wir haben ihn übersehen. Ein Mann meinte, ein Freund von ihm könnte am nächsten Tag Ausflüge mit uns machen, allerdings hätten wir dafür auch in einem teuren Hotel übernachten müssen.

Wir entschieden uns bis Kota Bharu weiterzufahren. In dieser großen Stadt hofften wir dann doch mehr Glück zu haben. Die Strecke zieht sich sehr lange durch fast unbewohnte Gegenden. Dichter Dschungel rechts und links und eine sehr kurvige Straße. Zwar ist sie asphaltiert, aber überall sind tiefe Schlaglöcher, teilweise waren ganze Streckenabschnitte an der Seite abgerutscht oder voll mit Felsen und Schlamm. Immer wieder kamen wir an ausgebrannten Autowracks vorbei, Unfälle scheinen hier oft vor zu kommen. Als wir dort fuhren, war das Wetter relativ stabil und es war nicht so viel Verkehr. Bei starkem Regen oder in Dunkelheit würde ich diese Strecke auf keinen Fall fahren wollen.

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Auf dem Weg nach Kota Bharu kamen wir direkt an der thailändischen Grenze vorbei. Kurz überlegten wir, einen kurzen Abstecher in ein weiteres Land zu unternehmen, aber dann blieben wir doch bei unserer geplanten Route. Es war schon spät, als wir in der Stadt ankamen und die Hotelsuche war etwas schwierig. Alle Straßen waren verstopft und wir brauchten ewig für ein paar Kreuzungen.

Nach langem in der Stadt kurven, fanden wir ein Hotel. Es ist etwas teurer, aber recht ordentlich und mit sicherem Parkplatz.

Die Nacht war zum Glück recht ruhig und da alle ihr eigenes Bett hatten, schliefen wir bis fast 8 Uhr. Tamina war nachts zu uns gekommen, sie ist es wieder gewöhnt, die ganze Nacht mit jemandem zu kuscheln… Trotzt Ramadan bekamen wir hier sogar Frühstück. Nach dem aus-checken, wollten wir zur Tourismuszentrale und in Erfahrung bringen, was wir, trotzt Ramadan machen können. Das Gebäude wird gerade renoviert, aber zwei Angestellte waren da. Wir störten sie beim Schlafen und Handy spielen und sie waren nicht besonders hilfsbereit. Wir bekamen einen Stadtplan in die Hand gedrückt und die Information, dass ab nächster Woche wieder mehr Möglichkeiten wären. Nebenan gab es ein nachgebautes Dorf, indem man Handwerkern bei traditioneller Arbeit zugucken kann. Aber auch hier war nichts los. Vorführungen und Programm erst wieder in einer Woche. Wir waren langsam wirklich gefrustet. So hatten wir uns unsere Zeit in Malaysia nicht vorgestellt. Bisher wirkt alles ausgestorben, Stände an der Straße sind leer, die Menschen sind vom langen Fasten so erschöpft, dass sie entweder schlafen, oder zumindest keine Lust haben mit uns zu kommunizieren. Wir beschlossen trotzdem noch einen Versuch zu wagen und außerhalb von Kota Bharu das Heritage Center aufzusuchen, wo man auch beim Batiken, Drachenbauen etc. zuschauen kann. Aber auch dort war alles still und keine Menschen zu sehen. Wir konnten noch nicht mal erkennen, in welchen Häusern die Vorführungen eigentlich statt finden.

Daraufhin entschieden wir uns nach Süden zu fahren und einen Strand zu suchen, an dem wir die Woche bis zum Ramadan Ende verbringen können.

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Die Autofahrt führte uns erst durch total kleine Sträßchen, einmal wollte uns unser Handy sogar über eine nicht mehr existierende Brücke leiten.

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Wir fuhren um die Stadt herum und dann auf eine größere Straße nach Süden. Alle waren schlecht gelaunt und die Autofahrt war sehr anstrengend. Leider spüren die Kinder es immer sofort, wenn wir gestresst sind. Dann ist die Stimmung ganz schnell schlecht. Thomas und ich versuchten während der Fahrt zu überlegen, wie es weitergehen könnte. Eigentlich hatten wir gedacht, wir würden einfach überall nette Stellen finden. Deshalb hatten wir auch nichts vorreserviert und uns auch gar keine Route überlegt. Aber die Zeit des Ramadans hatten wir völlig falsch eingeschätzt. Zum Glück haben wir immerhin das Auto, so dass wir zwischendurch mal etwas essen können. Wir wären gerne auf die Perhentian Inseln zum Schnorcheln gefahren, aber dort ist bis Ende August alles ausgebucht. Juli und August sind Hauptsaison und mit den Vieren wollen wir auch nicht riskieren ohne Unterkunft zu stranden.

Gegen Nachmittag waren wir alle müde und wollten nur noch irgendwo ankommen. Ich suchte auf der Karte und wir wollten die nächste Möglichkeit zum Meer abbiegen. Da kamen wir an einem Schild vorbei, auf dem Agro Resort stand. So richtig sicher waren wir uns nicht, ob das etwas zum Übernachten war, aber Resort klang gut. Da es nur 2 km von der Straße weg war, versuchten wir unser Glück.

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Es gab einen Sicherheitsmann an einer Schranke, der uns anwies, zur Rezeption zu fahren und nachzufragen. Tatsächlich kamen wir in eine Art Feriendorf, mit kleinen Bungalows, einem See und einem Campingplatz.

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Alles sah total verlassen aus, aber an der Rezeption war jemand. Wegen Ramadan war alles leer, aber wir durften bleiben. Nach kurzem Zögern entschied letztlich der Preis für uns. Als Sonderangebot bekamen wir einen kleinen Bungalow für unter 20€. Ein großes Zimmer mit einem Doppelbett, einem Einzelbett und einer Matratze. Dazu ein einfaches Bad und wieder einmal tausende Ameisen. Einige Eidechsen, davon eine winzige, bekamen wir auch kostenlos dazu. Immer wieder sind wir froh, unsere Seideninlets mit Insektenschutz dabei zu haben. So fühlen wir uns auch in nicht so sauberen Betten wohler. Zum Glück gab es sogar eine Klimaanlage, so dass wir nicht ganz so Probleme mit Mücken im Zimmer haben. Die Moskitonetze können wir hier leider nicht aufhängen.

Nachdem wir unser Gepäck im Zimmer hatten, erkundeten wir das Gelände. Schnell bemerkten wir, dass diese Anlage hauptsächlich für Schulklassen und Gruppen gedacht ist. Große Gruppenhäuser und ganz viele Dinge, die man unternehmen kann. Kanu fahren, Tretboote, ein großer Pool und Spielplatz, sogar einen Flying Fox von einem hohen Turm gibt es. Man kann einen Guide buchen und mit diesem Ausflüge zu Wasserfällen, in den Dschungel oder in die Lagunen machen.

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Die Anlage liegt inmitten von Palmöl Plantagen, mit denen sie hauptsächlich ihr Geld verdienen.

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Da es hier momentan nichts zu essen gibt, bot sich Epak, der Praktikant im Resort, an, uns zum Ramadan Basar zu bringen, um etwas zu besorgen. Da wir nach dem Tag müde waren, fuhren Thomas und Jesco mit Epak los und brachten uns dann lauter verschiedene gekochte Sachen zum probieren. Manche waren sehr lecker, andere sehr ungewohnt. Aber wir waren froh, überhaupt etwas zu haben. Nach dem Vorlesen für die Kinder schliefen wir schnell ein.

Am nächsten Morgen brachte uns Epak überraschend eine Tüte Toastbrot und Marmelade. Wir sind die einzigen Gäste momentan und vor allem, die ersten nicht malaysischen Gäste im Agro dieses Jahr.

Alle waren total bemüht um uns und fragten uns gleich, was wir machen wollen. Wir beschlossen, unseren Aufenthalt hier zu verlängern. Mit ihrem sehr schlechten Englisch, erklärten uns die Angestellten, dass bis mindestens Sonntag die meisten Gasthäuser und Unterkünfte geschlossen haben. Hier ist auch geschlossen und keiner arbeitet, aber wir dürfen trotzdem bleiben. Natürlich könnten wir in Backpacker oder große Hotels in einer Stadt, aber hier das ist genau was wir wollen. Kontakt zu Menschen aus dem Land, viel Natur und Ruhe. Für diesen Vormittag bot uns Epak an, mit ihm zu einem Fluss zu fahren, um dort zu schwimmen. Als wir ins Auto einsteigen wollten, fragte er Jesco, ob er nicht mit ihm auf seinem Moped fahren will.

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Im gleichen Moment kam Haa, eine der Angestellten mit ihrem Moped und nahm Nadira mit drauf. Die beiden versicherten uns, es wäre nicht weit und nur über kleine Straßen. Es war ein komisches Gefühl hinter den Mopeds herzufahren. Nils und Tamina waren ganz neidisch und wollten auf dem Rückweg auch mal mitfahren.

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Obwohl alle sehr vorsichtig fuhren und zum Glück wirklich nicht viel Verkehr war, gefiel es mir nicht, die Kinder ohne Helme auf den Mopeds zu haben. Aber hier ist das natürlich ganz normal. Ganze Familien, mit Babys und teilweise zu viert, fahren gemeinsam auf Mopeds herum. Jedenfalls waren Jesco und Nadira ganz glücklich.

Der Fluss war wunderschön und da es schon wieder so heiß war, verzichteten wir auf den Aufstieg zum Wasserfall und gingen nur schwimmen. Nachts regnet es hier ziemlich heftig und die Steine und Blätter sind sehr rutschig. Im Wasser hatten alle ihren Spaß. Es war recht kühl und eine gute Abkühlung. Wir entdeckten sogar eine natürliche Wasserrutsche und Lianen zum schwingen.

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Am frühen Nachmittag fuhren wir wieder zurück, diesmal durften Nils und Tamina bei Epak mitfahren.

Im Agro Resort bekamen die Kinder Fischfutter, um die Fische zu füttern. Außerdem wurde extra der eine Pool für die Kinder gefüllt. Nachmittags fuhren wir alle gemeinsam Wasser und Toastbrot kaufen und nochmal auf den Markt Essen besorgen.

Nachdem heute morgen unsere Essensreste alle von Ameisen ruiniert waren, packen wir jetzt alles in unsere wiederverschließbaren Packbeutel, die eigentlich unsere Anziehsachen und Medikamente schützen. So richtig gewöhnen wir uns nicht an die Tiere im Zimmer und im Bad. Selbst in den Betten haben wir ständig Ameisen und Spinnen. Aber das gehört hier dazu und solange es keine gefährlichen Tiere sind, müssen wir damit klar kommen.

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Heute Abend fangen die Feierlichkeiten zum Ende der Fastenzeit an. Epak hat uns angeboten, mit uns durch die Gegend zu fahren, um die dekorierten Häuser anzuschauen. Überall machen die Menschen Feuerwerk und Epak hat auch unseren Kindern Knallteufel und Wunderkerzen besorgt. Allerdings ist vorher Abends noch großes Gebet in der Moschee und Epak kann erst um kurz vor 10 Uhr zu uns kommen. Nils und Tamina wurden um 9 so müde, dass sie lieber ins Bett wollten. Also blieb ich mit den beiden im Resort und Thomas wartete mit Jesco und Nadira alleine am Auto. Das Warten hat sich für die Drei gelohnt. Bis weit nach Mitternacht hatten sie einen tollen Abend. Zuerst zeigte Epak ihnen die Dekorationen an vielen Häusern dreier Dörfer.

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Die Bewohner waren alle ganz stolz, dass Fremde ihre Öllicht-Dekorationen bestaunten; insbesondere die Kinder aus den Orten fanden Jesco und Nadira sehr spannend und versuchten trotz Sprachbarrieren mit ihnen ins Gespräch zu kommen – Epak versuchte zu übersetzen, sein Englisch ist aber nicht so gut.

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Später wurden sie noch in ein Haus eingeladen, um mitzufeiern. Sie bekamen leckere Speisen angeboten und alle waren super freundlich und neugierig. Es gab Lemang, eine Köstlichkeit aus süßem Reis in Blättern gewickelt, in Bambusrohren über dem Feuer geröstet. Dazu wurde Hühner-Curry gereicht.

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Ganz aufgedreht kamen sie zurück und berichteten, dass wir alle für den nächsten Tag ebenfalls eingeladen wären.

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Tja, soweit war ich mit dem Schreiben des Blog-Artikels gekommen. Jetzt sind wir schon seit 2 Wochen in Australien und unsere wunderschöne Zeit im Agro Resort ist fast 2 Monate her. Seitdem ist schon wieder so viel passiert. Wir haben feststellen müssen, dass es unheimlich schwierig ist, unterwegs alles zu schaffen. Vor der Weltreise dachte ich, wir hätten während dem Jahr ganz viel Zeit. Zeit zum Reden, zum Spielen, zum Lesen, zum Blog schreiben und Schule machen…

Aber eigentlich haben wir noch weniger Zeit als Zuhause. Natürlich sind wir fast die ganze Zeit alle zusammen und erleben tolle Dinge. Jeder Tag ist anders und aufregend. Überall gibt es Neues zu entdecken und wir fallen jeden Abend müde und glücklich ins Bett.

Aber das Reisetempo und die unzähligen Eindrücke sind auch sehr anstrengend. Immer wieder müssen wir uns auf neue Menschen, neue Zimmer, neue Landschaften einstellen, ständig packen und auspacken, überlegen wohin als nächstes.

In Malaysia haben wir nur selten die Möglichkeit gehabt Schule zu machen. In Singapur hat das die erste Woche, wo wir alleine waren ganz gut geklappt, danach wollten wir natürlich Zeit mit unseren Freunden verbringen. Auch zum Schreiben bin ich in dieser Zeit fast nicht gekommen. Die Kinder haben sich beschwert, dass sie gar keine Zeit haben. Sie wollen auch mal lesen, Musik hören, Puppen spielen oder einfach nichts tun. Sie haben Recht. Wir halten dieses Tempo nicht mehr durch. Auch ich fühle mich etwas reisemüde, nicht, dass wir heim wollten, aber mal etwas länger am Stück an einer Stelle bleiben, Zeit zu haben für die kleinen Dinge.

Deshalb sind wir nun schon seit 2 Wochen hier auf Kangaroo Island und erholen uns.

Ich versuche jetzt, anhand der Fotos und Erinnerungen, den Artikel über Malaysia fertig zu stellen, wahrscheinlich etwas anders als gewohnt.

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Unsere Zeit im Agro Resort gehört mit zu den schönsten Erinnerungen auf unserer bisherigen Reise. Wir alle haben uns dort so wohl gefühlt. Die Herzlichkeit der Menschen dort, in dieser ländlichen Gegend nördlich von Terengganu, hat uns sehr berührt. Epaks Familie hat uns voll aufgenommen und uns den Abschied sehr schwer gemacht. Europäer kommen in diese Gegend von Malaysia eigentlich nicht. Touristische Höhepunkte gibt es hier keine und die meisten Urlauber haben viel zu wenig Zeit. So werden an der Ostküste die Inseln zum Schnorcheln und Tauchen besucht, das Landesinnere jedoch nur gestreift. Für uns war das ein großes Glück, denn die Neugierde der Menschen war riesig. Jeder wollte einmal mit uns geredet haben, ein Foto mit uns gemacht haben und erzählen können, dass wir bei ihnen Zuhause waren. Unsere blonden Kinder waren überall die Attraktion, ein bisschen können sie es sich jetzt vorstellen, wie es wäre berühmt zu sein. Teilweise konnten wir keine 100m gehen, ohne dass jemand um ein Selfie mit ihnen bat.

Nachdem wir ja eigentlich nur eine Nacht bleiben wollten, verlängerten wir unseren Aufenthalt immer wieder, so dass es am Ende fast 2 Wochen wurden. Da am Anfang außer uns keine Gäste da waren, wurde Epak vom Resort als unser persönlicher Guide eingeteilt. Als Praktikant hatte er sonst nicht viel zu tun und man war sehr bemüht, uns eine angenehme Zeit zu verschaffen. Für ihn war es eine tolle Möglichkeit, seinem Wunschberuf als Guide näher zu kommen und dabei sein Englisch zu verbessern. Am Anfang traute er sich gar nicht zu sprechen, aber von Tag zu Tag wurde er mündlich sicherer und inzwischen schreibt er uns auch oft.

Der zweite Tag im Resort war der erste Tag der Feierlichkeiten zum Ende des Ramadans. Hari Raya wird insgesamt einen Monat lang gefeiert, aber dieser Tag ist der Größte. Morgens hatten wir etwas Zeit für uns, da alle in die Moschee gingen. Danach kam Epak, um uns abzuholen. Obwohl er mit dem Mofa kam, war er in einem Seidenanzug gekleidet.

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Für unsere Mädchen hatten wir schon am Tag vorher Kleider geliehen bekommen, Thomas und Jesco trugen ihre Sarongs aus Sri Lanka und ich hatte ebenfalls einen Rock, mit einer langen Bluse an. Ich war sehr gespannt auf die Familie, aber wir kamen erst einmal gar nicht dorthin. Überall auf dem Weg winkten Menschen Epak von Häusern aus zu und wir mussten anhalten. Epak bedeutete uns auszusteigen, da wir eingeladen wären. Es war ein komisches Gefühl, in fremde Häuser eingeladen zu werden, in denen wir niemanden kannten. Die meisten Menschen konnten kein Englisch, wir konnten uns also nicht unterhalten. Alle bestaunten uns und wir bekamen ganz viel zu essen und trinken gebracht. In Gläsern wurden Süßigkeiten, Kekse und Knabbersachen angeboten. Die Kinder probierten sehr viel, auch Sachen bei denen wir nicht so genau wussten was es ist.

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Epak lotste uns von Haus zu Haus und versuchte zu übersetzen. Endlich kamen wir bei seiner Familie an und blieben dort auch für den Rest des Nachmittags. Alle waren sehr offen und einige konnten auch gut genug Englisch, um sich unterhalten zu können.

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Epak hat zwei kleine Schwestern, die sich sofort gut mit unseren Kindern verstanden. Aisyah ist 14 und Nabilla schon 18, aber trotzdem fanden sie genug Gemeinsamkeiten.

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Die beiden haben auch zwei Mini Hamster, von denen vor allem Tamina absolut begeistert war.

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Wir fühlten uns so wohl, dass wir beschlossen eine Weile dort, in unserer Unterkunft, zu bleiben. Die nächsten 10 Tage sorgten alle dafür, dass es uns nie langweilig wurde. Im Gegenteil, manchmal war es fast zu viel. Wir besuchten mit der Familie verschiedene Wasserfälle, heiße Quellen, das Meer, wir fuhren immer wieder Kanu auf dem See im Resort, gingen schwimmen, waren auf eine Hochzeit eingeladen, erlebten eine muslimische „Taufe“ und verbrachten jeden Tag auch Zeit im Haus der Familie.

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Irgendwie gelang es uns mit jedem zu kommunizieren, die Mädchen trafen sich mit Nabilla und Aisyah sogar alleine zum spielen. Da Epaks Mutter einen kleinen Shop hatte, starteten wir jeden Tag bei ihr. Das leckere Frühstück mit Reis und Chickencurry vermissen alle seitdem.

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Epak fiel der Abschieds von uns so schwer, dass wir beschlossen ihn mitzunehmen.

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Das Resort erlaubte ihm 3 Tage frei zu nehmen und so fuhren wir vollgepackt nach Kuala Terengganu. Epak durfte mit vorne sitzen und ich nahm Nadira hinten auf den Schoß. Mit 5 Leuten auf der Rückbank war wirklich zu eng, aber die Fahrten waren überschaubar und alle wollten Epak diese Möglichkeit geben, aus seinem Dorf herauszukommen.

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In Kuala Terengganu schliefen wir drei Nächte in einem kleinen Hotel und besichtigten die kristallene Moschee. Es war sehr gut einen Muslim dabeizuhaben, der einem alles besser erklären konnte.

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Außerdem waren wir im Museum, was aber nicht ganz so interessant war.

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Am nächsten Tag fuhren wir mit einem kleinen Boot auf eine Insel namens Kapas. Es ist eine ganz kleine Insel, aber die Schnorchelmöglichkeiten dort waren perfekt. Der Bootsführer lies uns direkt in einer einsamen Bucht aussteigen, in der wir schon vom Strand aus die ersten Fische sehen konnten. Epak war noch nie auf einer dieser Inseln, obwohl sie sozusagen vor seiner Haustür liegen. Er liebt schwimmen und schnorcheln und war ganz begeistert. Immer wieder tauchte er und machte Filme für seinen Praktikumsbericht. In einer Felsenhöhle entdeckten wir sogar Fledermäuse. Die Kinder fanden die Clownsfische („Nemos“) am schönsten.

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Tamina spielte zwischendurch immer wieder am Strand und auch die anderen bauten Sandfiguren und Burgen.

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Wir verbrachten mehrere Stunden dort und erst, als es langsam nach Gewitter aussah, riefen wir den Bootsführer an, damit wir wieder abgeholt wurden. Spät nachmittags brachten wir Epak dann zum Bus nach Hause. Es war ein sehr trauriger Abschied, aber wir mussten weiter Richtung Singapur und irgendwann hat alles ein Ende. Für uns ist es immer viel einfacher, als für die Menschen die wir zurücklassen. Schließlich erleben wir jeden Tag Neues und auch die Kinder wissen mittlerweile, dass wir überall auf neue nette Menschen stoßen.

Am nächsten Morgen gab mir mein Handy eine Warnung. Ich habe eine App, die GeoNews heißt und diese meldete einen unkontrollierten Brand auf unserer heutigen Strecke. Ich versuchte im Internet etwas näheres herauszufinden, aber auf englischsprachigen Seiten gab es nichts darüber. Epaks Cousin, Epi, arbeitet bei der Polizei. Deshalb schrieb ich ihm über WhatsApp und er antwortete kurz darauf, dass wir die Strecke befahren können, aber vorsichtig sein sollen. Also fuhren wir los. Irgendwann fing es dann an wirklich ein bisschen nach Rauch zu riechen und dann sah man ihn auch. Der Qualm wurde immer dichter und man konnte nur noch einige hundert Meter weit sehen. Wir waren sehr unsicher, ob wir weiter fahren sollen, aber es gibt keine andere Straße, die nicht einen riesen Umweg bedeuten würde. Links und rechts konnten wir jetzt auch überall verbrannte Flächen sehen. Teilweise rauchten sie noch, manchmal waren auch noch kleine Flammen da.

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Am Straßenrand saßen ganz viele Affen und Vögel. Zwischendurch kamen wir an Feuerwehrwagen vorbei, aber die Straße war überall frei.

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Zum Glück wurde es mit dem Qualm besser, aber insgesamt zog sich das Feuer über gut 100 km hin. Wir wollten diesen Bereich gerne weit hinter uns lassen, deshalb fuhren wir viel weiter als geplant und verbrachten die Nacht in Desaru.

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Eigentlich hatten wir einen Ort am Strand erwartet, aber es gab nur ein paar wenige Resorts für Wochenendurlauber aus Singapur. Wir konnten einen halbwegs ordentlichen Preis aushandeln und schliefen dort für eine Nacht. Die Kinder genossen den großen Pool und wir gingen früh ins Bett. Am nächsten Tag hatten wir es nicht mehr weit bis nach Johor Bharu. Dort hatten wir ein Apartment für 3 Nächte vorgebucht. Es war in einem Hochhaus mit großem Außenpool, ähnlich wie auf Penang. Es gab drei Schlafzimmer, eine gut ausgestattete Küche und eine Waschmaschine. Nach so vielen Wochen im Landesinneren, in wirklich sehr sehr einfachen Unterkünften, purer Luxus. Wir nutzten die Zeit für Schule und kochten leckere Sachen, die wir vermisst hatten. Außerdem organisierten wir ein Taxi, dass uns nach Singapur bringen sollte und gaben unseren Mietwagen zurück.

6 Kommentare

  1. Conradi, Reiner sagt

    …wieder eine spannende Reportage! Es ist eine tolle Erfahrung, wenn man bereit ist, sich auf die Menschen einzulassen, dass man meist offen und herzlich aufgenommen wird, viele interessante Eindrücke gewinnt und Land und Leute sehr intensiv kennlernen kann.

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Ihr Weltreisenden!
    Interssant zu lesen, wie ihr eure Weltreise gestaltet, wenn man selbst sozusagen auf euren Spuren selbst unterwegs ist! Wir sind noch in Namibia, haben 3 Wochen verlängert, weil wir noch nicht beteit zur Weiterreise waren. In 10 Tagen geht es jetzt über Dubai nach Thailand…
    Viele liebe Grüsse von den 4 ebenfalls Weltreisenden: Annette, Maik, Philipp und Klaus

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Annette,
      schön, dass du es aus Afrika schaffst mitzulesen… Ich war auch schon ein paar mal auf eurem Blog 😉 Ich hoffe ihr genießt eure Reise! Wir sind mittlerweile schon in Neuseeland und es ist wirklich traumhaft… Ganz liebe Grüße zurück, Jana

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  3. Mädels und Jungs, lese ich das richtig, dass ihr bisweilen keine Zeit für Schule gefunden habt? Das lasse ich mal nicht meine Kids lesen, sonst müssen wir da nachziehen… Viel Spaß downunder. Gruß olio

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    • Hi Oli,
      So richtig stimmt das nicht. Wir haben schon immer wieder Schule gemacht, aber die Bedingungen waren mal besser und mal schlechter… Aber deine Jungs würden sicher trotzdem gerne nachziehen, oder?
      Liebe Grüße aus Neuseeland und grüß mir deine Familie und alle Nerds

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