Malaysia
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Von Tioman über Kuantan in den Taman Negara

Der nächste Teil über Malaysia, wieder geschrieben von Kristian

 

Donnerstag, 20.08.

Meine Stimmung am Morgen war nicht so gut wie an den letzten Tagen. Zum einen hatten Alexandra und ich nicht gut geschlafen und waren sogar vor dem auf 7:00 Uhr gestellten Wecker aufgewacht. Zum anderen stand heute der Abschied von unserem Paradies an (d.h. vom Riverview und von Tioman).

Wir hatten am Vorabend schon fast alles gepackt, aber wir mussten noch die Moskitonetze abhängen und mit den über Nacht getrockneten Badesachen verstauen. Um 8:00 Uhr liefen wir ein letztes Mal am Strand entlang zum Paradise Point.

    

1.0-Letzter-Blick-Strand

 

Sofian hatte das vorbestellte Frühstück schon fertig und so konnten wir in Ruhe unsere Pfannkuchen mit Früchten, den Porridge und die Käse-Sandwiches (die wollten unbedingt die Kinder haben) essen und ein letztes Mal den Blick aufs Meer genießen. Auch wenn ich mich auf die nächste Station unserer Reise – den Taman Negara – freute, so war ich doch etwas wehmütig. Tioman hatte mir super gefallen, und die Tage dort waren für uns alle sehr entspannt gewesen.

Nach dem Frühstück und der Verabschiedung von Sofian gingen wir zum Riverview zurück, machten die Rucksäcke zu und kontrollierten die Hütten. Um 9:15 Uhr standen pünktlich die Taxis vor dem Resort. Zur Freude der Jungs wurden wir von zwei Pickups abgeholt. Denn Thomas und ich hatten bereits vorher angekündigt, dass dieses Mal wir mit den Mädels auf dem Rückweg auf der Ladefläche mitfahren würden. Da es nun aber aber zwei Pickups waren, konnten die drei Jungs auf der Ladefläche des anderen sitzen.

    

1.1-Fahrt-zur-Jetty

 

Die halbstündige Fahrt zur Jetty in Tekek war cool – wann kann man schon mal auf der Ladefläche eines Pickups mitfahren? – wenn auch für Thomas und mich etwas hart. Denn wir saßen direkt auf der Ladefläche, während es die Mädchen auf unserem Schoß etwas weicher hatten.

Am Hafengebäude stellten Thomas und ich uns erst mal wieder in einer Schlange an, um uns mit den Passnummern in die Passagierliste einzutragen, während der Rest auf unser Gepäck aufpasste.

    

1.2-Warten

 

Danach warteten wir im klimatisierten Gebäude auf die Fähre. Als die Fähre angelegt hatte, stand sofort eine Traube von Leuten vor der verschlossenen Tür des Wartesaals. Allerdings mussten wir feststellen, dass das Prozedere anders war als bei der Hinfahrt. Die resolute Frau, die die Tür zum Fähranleger öffnete, rief nämlich nacheinander Buchstaben auf, die auf unseren Tickets vermerkt waren. Erst rief sie die Gruppe der Passagiere mit einem „A“ auf dem Ticket auf, schloss dann die Türe und öffnete sie nach einer Weile wieder, um dann nacheinander die Gruppen „B“ bis „D“ aufzurufen. Wir hatten natürlich „E“ auf unserem Ticket und waren damit die letzte Gruppe. Leicht genervt standen wir dann endlich auch vor einer der drei Fähren, die am Anleger festgemacht hatten. Wir wurden auf eine etwas kleinere Fähre gelotst. Nach der obligatorischen Frage, ob dies auch wirklich die Fähre zurück nach Mersing sei, gingen wir an Bord. Dieses Mal konnten wir alle unsere Rucksäcke mit hinein nehmen.

    

1.3-Fähre

 

Die Fahrt war gut – kein Seegang. Unterwegs sahen wir sogar ein paar Felsen im Meer voll mit Vögeln, die wir auf der Hinfahrt nicht entdeckt hatten.

    

1.4-Felsen-im-Meer

 

Um 13:15 Uhr legten wir an. Schon beim Festmachen der Fähre entstand Unruhe unter den anderen Passagieren. Schnell erfuhren wir den Grund dafür: Wir waren angeblich nicht in Mersing angekommen, sondern in einem anderen Ort namens Endau. Als wir ausgestiegen waren, stellten wir fest: Das stimmte. Die Jetty war nicht die in Mersing, wo wir gestartet waren und unser Bus parkte. Somit herrschte bei uns und den anderen Passagieren, die auch nach Mersing wollten, erst mal große Verwirrung und Unklarheit darüber, wie es nun weiter gehen würde. Dazu stieg in mir der Ärger hoch, denn mir wurde klar, dass damit unser Zeitplan für die Weiterfahrt heute über den Haufen geworfen worden war.

Im Hafengebäude wurden wir vom Personal auf einen Bus verwiesen, der vor dem Gebäude stand und uns nach Mersing fahren sollte. Die Fahrt für die 40 km sollte laut deren Auskunft ungefähr 30 Minuten dauern. Leider war uns sofort klar, dass der Bus nicht alle Passagiere, die nach Mersing wollten, transportieren konnte. Daher beschlossen wir, dass nur Thomas und ich mit unserem Gepäck nach Mersing fahren sollten, um das Auto zu holen. Leider war der Bus schon voll, so dass wir schnell entschieden, dass nur Thomas ohne Gepäck mit dem Bus nach Mersing fahren würde. Da wir keine Lust hatten, auf den nächsten Bus zu warten und damit noch mehr Zeit zu verlieren, stieg Thomas einfach in den schon vollen Bus ein. Er sollte schon wieder rausgeworfen werden, als sich eine Frau erbarmte und ihr Kind auf den Schoß nahm, so dass Thomas doch noch einen Sitzplatz ergatterte und mitfahren konnte.

Wir anderen setzten uns, ziemlich frustriert, rund um unseren Haufen Gepäck in die offene Halle des Hafengebäudes und aßen erst mal unsere restlichen Vorräte auf – was leider nicht mehr viele waren. Und dann begann das Warten.

    

2.1-Warten-in-Endau

 

Die Umgebung rund um den Hafen erinnerte an ein verlassenes Industriegebiet, es war kaum ein Mensch zu sehen. Anscheinend hatte die Gegend schon bessere Zeiten erlebt, jetzt aber stand fast alles leer. In 100m Entfernung sahen wir eine Hauptstraße. Auf der Suche nach etwas Obst lief ich dorthin, fand dort auch paar kleine Supermärkte, die aber alle keine Bananen im Angebot hatten. So kehrte ich mit leeren Händen zu den anderen zurück. Aber ich nutzte die Zeit, um eine typisch malaiische Steh-Toilette im Hafengebäude zu fotografieren. Interessant war auch das Waschbecken, bei dem das Wasser beim Händewaschen durch den Ausguss direkt auf meine Turnschuhe lief.

    

2.2-Malaiische-Toilette

 

Anderthalb Stunden nachdem Thomas mit dem Bus Richtung Mersing losgefahren war, stellte ich mich an die Hauptstraße und hielt nach ihm und unserem Mietwagen Ausschau. Und nach knapp 10 Minuten entdeckte ich ihn tatsächlich auf der stark befahrenen Straße und winkte ihn in die Richtung zum Hafengebäude. Dort wurde Thomas wie ein Held empfangen (was er natürlich auch ist), denn er hatte Wasser und frische Früchte mitgebracht. Schnell packten wir unser Gepäck ins Auto und aßen dann zwei Ananas.

Nach Kuantan lagen 160 km vor uns und es war schon 15:30 Uhr. Daher fuhren wir nach der kleinen Stärkung sofort los. Die Route 3 verlief dicht an der Küste, war aber aus meiner Sicht eher unspektakulär. Unterwegs entdeckten wir einige noch qualmende Stellen, wo es Tage vorher gebrannt hatte. Hier waren die Conradis schon auf ihrer Fahrt Richtung Singapur vorbeigekommen.

Oft sahen wir rechts und links der Straße die typischen Holzhäuser auf Stelzen.

    

3.1-Fahrt-typsiche-Häuser

 

Witzig fand ich die Burger-Bude direkt am Straßenrand.

     

3.2-Fahrt-Burgerbude

 

Lange gerätselt haben wir über schmale, hohe Gebäude ohne Fenster, die wir unterwegs öfter gesehen hatten. Mir fiel dann ein Fernsehbericht über Schwalbenhäuser ein, in denen die Schwalben brüteten und die Nester anschließend als Delikatesse verkauft wurden.

    

3.4-Fahrt-Schwalbenhäuser

 

Um 18:30 Uhr erreichten wir Kuantan und steuerten direkt das Hotel „Mega View“ an, in dem Jana und Thomas schon mal übernachtet hatten. Das Hotel lag direkt an einem breiten Fluss und hatte schöne große Zimmer, die uns echt gut gefielen.

    

4.1-Kuantan-MegaView-Hotel

 

4.2-Kuantan-MegaView-Hotelzimmer

 

Was für ein Luxus nach den einfachen Hütten auf Tioman.

Nachdem wir unser Gepäck auf die Zimmer gebracht hatten, trafen wir uns auf der Promenade am Fluss und aßen in der halben Stunde bevor es dunkel wurde die restlichen Früchte und dazu Nutella- und Erdnussbuttertoasts. Dabei sprach uns ein Mann an, den wir im Laufe des Gesprächs nach den Gebäuden fragten, die wir unterwegs gesehen hatten und auf Schwalbenhäuser getippt hatten. Das bestätigte der Mann, er konnte aber nicht genau erklären, was aus den Nestern gemacht wurde.

    

4.3-Blick-aus-Hotel

 

Nach dem Picknick liefen wir Heddrichs auf der Suche nach einem Geldautomaten noch ein wenig in der Nähe des Hotels herum. Dabei entdeckten wir eine schön angestrahlte Moschee.

   

4.4.-Moschee-bei-Nacht

 

Da ich trotz Früchten und Toasts noch Hunger hatte, aßen wir in einem Restaurant noch eine Kleinigkeiten. Müde und satt ging es dann ins Hotel zurück.

    

4.5-Abendessen

 

Freitag, 21.08.

Um 7:00 Uhr klingelte der Wecker, aber wir sprangen gut erholt aus den Betten. Ich hatte sehr gut geschlafen, und heute lag die Fahrt zum Taman Negara vor uns.

Da im Übernachtungspreis ein Frühstück inbegriffen war, trafen wir uns um 8:00 Uhr zum Frühstück. Und das war richtig gut und abwechslungsreich und wir aßen uns in Ruhe satt.

Danach stand das normale Programm an: Rucksäcke packen, auschecken und den Bus beladen. Vor der Fahrt wollten wir noch die Moschee besichtigen, die wir am Vorabend im Dunkeln gesehen hatten und die die Conradis bei ihrer letzten Übernachtung nicht hatten anschauen können.

    

5.0-Moschee

 

Als wir um 9 Uhr vor dem Eingang der Moschee unsere Schuhe ausgezogen hatten und gerade eintreten wollten, sprach uns ein Wachmann an und sagte, dass es Freitag sei und wir daher die Moschee nicht besichtigen könnten. Daran hatten wir gar nicht gedacht.

    

5.1-Vor-Moschee

 

Während wir anderen schon wieder die Schuhe anzogen, erklärte Jana dem Wachmann, dass wir nur heute die Gelegenheit hätten, die Moschee zu besichtigen und dass wir uns total darauf gefreut hatten. Zu meiner Überraschung fruchtete Janas Charme-Offensive und der Wachmann erlaubte uns doch eine kurze Besichtigung. Vor dem Betreten erhielten Jana und Alexandra Umhänge mit Kapuzen, die sie überziehen mussten.

Eine Frau hatte die Szene beobachtet und sprach uns in sehr gutem Englisch an. Sie bot an, uns durch die Moschee zu führen, was wir gerne annahmen. Zum Schluss machte sie sogar noch ein Foto von uns allen.

    

5.2-Kuantan-in-Moschee

 

Nach der Moscheebesichtigung liefen wir zurück zum Hotel, wo wir den Bus hatten stehen lassen. Gegen 9:30 Uhr starteten wir Richtung Taman Negara – vor uns lagen knapp 200 km, für die wir 3 Stunden Fahrtzeit schätzten.

Die ersten 30 km bis zur Autobahn waren etwas zäh, aber die folgenden 50 km über eine mautpflichtige Autobahn kamen wir gut voran.

   

5.3-Autobahn

 

Ab Maran fuhren wir auf schmalen Landstraßen, die im Wechsel durch Wald, Palmöl-Plantagen und kleinere Orte führten und auf denen man im Schnitt nur mit 50 km/h fahren konnte.

   

5.4-Landstrasse

 

Unterwegs sahen wir auf der Straße eine große gelb-schwarze Schlange und einen Waran. Leider waren beide tot, aber so konnten wir sie gefahrlos und in Ruhe fotografieren.

    

5.5-Tote-Schlange

 

5.6-Jesco-mit-totem-Waran

 

Um kurz nach 13 Uhr kamen wir in Kuala Tahan an. Der Ort ist die Eingangspforte in den Taman Negara Nationalpark, was man ihm aber nicht ansieht. Auf mich machte der Ort eher einen armseligen Eindruck.

Die Straße endete im Ort oberhalb des Flusses Sungai Tembeling, der die Grenze zum Nationalpark bildet. Wir hatten einen schönen Blick auf den Fluss, die schwimmenden Restaurants und das Mutiara Resort im Taman Negara auf der anderen Flussseite, wo wir gebucht hatten.

   

6.1-Kuala-Tahan

 

Um zu der Jetty zu gelangen, wo die „Fähre“ zum Park und dem Resort ablegte, mussten wir ein kurzes Stück zurück und dann eine steile Straße zum Fluss hinunter fahren. Wir luden das Gepäck aus und anschließend fuhren Thomas und ich die steile Straße wieder hinauf und parkten unseren Bus auf dem zentralen Parkplatz. Dort mussten wir eine Viertelstunde auf den Parkplatzwächter warten, der gerade Mittagspause machte, bevor wir die Parkgebühren bezahlen konnten. Dann liefen wir zurück zur Jetty.

Hier mussten wir alle erst mal mit unserem Gepäck über eine schmale Holzplanke auf den Anleger balancieren, was wir alle aber ohne Unfall schafften.

    

6.2-Kuala-Tahan_Jetty

 

In dem angeschlossenen schwimmenden Restaurant aßen wir eine Kleinigkeit, bevor wir das Boot bestiegen, dass uns über den Fluss in den Taman Negara brachte. Der Name „Taman Negara“ ist malaiisch und heißt übersetzt „Nationalpark“. Mit seinem 130 Millionen Jahren alten tropischen Dschungel beheimatet er das älteste Waldgebiet der Erde.

Auf der anderen Flussseite stiegen wir nach der leider sehr kurzen Fahrt wieder aus.

 

6.3-Überfahrt

 

Als erstes gingen wir zur Rezeption zum Einchecken.

     

7.1-Rezeption

 

Dort wurden wir sehr freundlich mit einem Getränk und einem gekühlten Handtuch begrüßt. Das war schon mal ein guter Auftakt, aber es wurde sogar noch besser: Statt des gebuchten Schlafsaals erhielten wir ein kostenloses Upgrade auf ein ganzes Haus („Chalet“) nur für uns alleine. Wir konnten unser Glück gar nicht fassen.

Da das Haus noch nicht bezugsfertig war, besorgten wir uns zunächst die Eintritt-Tickets für den Nationalpark und die notwendige Fotolizenz (pro Fotoapparat zu bezahlen), die man in einem Büro direkt im Resort kauft.

Nach kurzer Wartezeit konnten wir dann unser Chalet beziehen. Um das Gepäck hatte sich das Personal gekümmert – sehr angenehm. Das Haus war wie die anderen Hütten, die wir schon gesehen hatten, aus dunklem Holz und sah toll aus. Es war sehr groß und hatte neben drei klimatisierten Schlafzimmern ein großes Wohn- und Esszimmer und eine Küche. Bis auf die Küche war das Haus in einem guten Zustand, sauber und schön eingerichtet. Wir waren begeistert – für jeden gab es ein Bett, keiner musste auf einer Matratze auf dem Boden schlafen.

    

7.2-Unser-Haus

 

7.3-Schlafzimmer

 

Nach der Verteilung der Zimmer machten wir eine kurze Pause im Wohnzimmer und ruhten uns etwas aus.

    

7.4-Wohnzimmer

 

Danach starteten wir einen kleinen Rundgang durch die Anlage. Dabei beobachteten wir eine Gruppe Affen, die aus einer offen Außenküche Sachen entwendeten. Die Affen hatte keine Angst vor uns und einer schnappte sich sogar eine Flasche mit Sauce und nahm diese mit auf einen nahegelegenen Baum. Dort steckte er immer wieder seine Pfote in die Flasche und schleckte genüsslich den Inhalt von seinen Fingern.

    

8.1-Affe-mit-Flasche

 

Um 18:30 Uhr gingen wir zum Abendessen in das schöne Restaurant des Resorts. Es gab Buffet mit sehr leckerem Essen.

    

8.2-Abendessen

 

Vor dem Restaurant an einem Baum entdeckten die Kinder einen Tausendfüßler – schon mal ein Vorgeschmack auf den Dschungel.

     

8.3-Tausendfüssler

 

Danach liefen wir zurück zu unserem Chalet und machten uns für die Nachtwanderung fertig. Als Schutz vor den erwarteten Mückenschwärmen zogen wir uns trotz der Hitze lange Hosen, Langarmhemden und Wanderschuhe an und setzten unsere Hüte auf. Die nicht geschützten Hautstellen besprühten wir mit Anti-Mücken-Spray. Für die beiden Mädchen hatte Jana zusätzlich noch Mücken-Kopfnetze dabei. Zusammen mit den Taschen- und Stirnlampen sahen wir extrem professionell aus – als würden wir auf eine lange und gefährliche Expedition starten.

   

9.1-Mädels-mit-Kopfnetzen

 

Kurz vor 20:30 Uhr waren wir fertig und verließen unser klimatisiertes Chalet. Es war trotz der Dunkelheit erstaunlich heiß draußen. Ich war nach kurzer Zeit geschwitzt und hätte gerne sofort mein Langarmhemd wieder ausgezogen.

Am vereinbarten Treffpunkt in der Mitte des Resorts hatten sich schon einige andere Gruppen versammelt, die anscheinend auch eine Nachtwanderung gebucht hatten. Allerdings waren diese Leute zum Teil deutlich weniger professionell angezogen als wir: Hot Pants, T-Shirt und Flipflops. Wir schauten uns überrascht um – und wurden genauso überrascht angestarrt. Wahrscheinlich fragten sich die anderen, welche harte Tour wir wohl gebucht hätten.

Unser Guide wartete bereits auf uns. Nach einer kurzen Begrüßung ging es auch gleich los. Wir liefen ein Stück durch das Resort und kamen dann zu einem Holzsteg, der in den Dschungel hinein führte. Im Resort war es schon nicht sehr hell gewesen. Aber nach wenigen Metern im Dschungel unter den Bäumen war es wirklich stockdunkel. Gut, dass Jana und Thomas starke Lampen hatten. Unser Guide erklärte uns, dass wir ungefähr eine Stunde auf den Holzstegen rund um das Resort unterwegs wären und dabei nach Tieren Ausschau halten würden. Zu entdecken gäbe es hauptsächlich verschiedene Arten von Spinnen, Termiten, Reptilien und Heuschrecken.

Es war unterwegs ein tolle Atmosphäre, vom Resort war nichts zu hören, es gab nur die Geräusche des Dschungels. Auch von den anderen Gruppen war nichts zu hören und zu sehen.

   

9.2-Nachtwanderung

 

Die Kinder waren Feuer und Flamme und suchten mit den Lampen jeden Zentimeter entlang des Weges ab. Zu meiner Überraschung und auch der des Guides entdeckten sie tatsächlich andauernd etwas. Erst zwei Schlangen, dann eine Gottesanbeterin, Termiten und eine bunte Heuschrecke. Thomas entdeckte noch einen Baumskorpion.

    

9.3-Nachtwanderung-Schlange

 

9.4-Nachtwanderung-Gottesanbeterin

 

9.5-Nachtwanderung-Termiten

 

9.6-Nachtwanderung-Heuschrecke

9.7-Nachtwanderung-Baumskorpion

       

Nach einer Weile trafen wir schließlich doch auf die anderen Gruppen, und damit war es dann mit der Ruhe vorbei. Wir kletterten noch auf einen Turm („Tahan Hide“), von dem man größere Tiere auf einer Lichtung beobachten können sollte. Aber wie zu erwarten, sahen wir nichts.

Wir liefen wieder zum Resort zurück und verabschiedeten uns von dem Guide, mit dem wir wieder am nächsten Tag um 9:00 Uhr verabredet waren.

Im Chalet war erst mal eine erfrischende Dusche angesagt und dann ging es ins Bett. Alexandra und ich schmissen noch ein paar Ameisen aus unserem Bett, dann konnten wir schlafen.

Samstag, 22.08.

Wie immer standen wir relativ früh auf und gingen um 8:00 Uhr zum Frühstück, das wie das Abendessen sehr lecker war. Danach machten wir uns im Chalet wanderfertig – dieses Mal aber in T-Shirt und kurzen Hosen. Um 9:00 Uhr trafen wir uns wie verabredet mit unserem Guide zum „Jungle Trekking“.

    

10.1-Gruppenbild-mit-Guide

 

Schon im Resort gab es einiges zu entdecken: Zunächst erntete der Guide Sternfrüchte von einem Baum für uns.

 

10.2-Sternfrucht-Ernte

   

10.3-Sternfrucht

 

Eine Pflanze mit sehr großen Blättern ließ uns plötzlich sehr klein erscheinen.

    

10.4-große-Blätter

 

Schließlich entdeckte der Guide noch einen bunten Vogel, der gerade eine Gottesanbeterin vertilgte.

    

10.4-Vogel

 

Das Resort ging nahtlos in die Wildnis über und wir liefen wieder auf den Holzstegen durch den Dschungel. Unterwegs wies uns der Guide immer wieder auf Pflanzen wie die roten Ingwerblüten oder Insekten hin und beantwortete geduldig unsere Fragen.

    

10.5-Jungle-Trekking

 

10.6-Ingwerblüten

 

Nach kurzer Zeit kamen wir zu einer Abzweigung, wo es links auf einen kleinen Berg namens Bukit Teresek ging. Gemäß Beschilderung war der Weg 1,5 km lang. Zunächst ging es auf dem Holzsteg und Stufen bergan, dann bogen wir auf einen schmalen Wanderpfad ab, da dort weniger Leute unterwegs waren. Der Anstieg war nicht ohne, besonders bei der Hitze und Schwüle nicht, und so waren wir schnell nass geschwitzt.

   

10.7-Aufstieg

 

Auf dem Gipfel mit einem großartigen Blick auf den Regenwald herrschte richtiges Gedränge. So machten wir nur schnell ein Foto von der grandiosen Aussicht. Eine große Schlange, die direkt neben dem Weg in einem Baum saß, erinnerte uns daran, dass wir – obwohl nicht weit vom Resort entfernt – doch im Dschungel unterwegs waren.

 

10.8-Bukit-Teresek

 

10.9-Schlange

 

Nach einer kurzen Trinkpause liefen wir den Berg wieder hinunter. Unsere nächste Station war der Canopy Walk, ein System von Hängebrücken zwischen Urwaldriesen in bis zu 45 m Höhe.

Es war zum Glück wenig los und wir mussten nur sehr kurz anstehen. Dann liefen wir im Abstand von 10 m über die schmalen, schwankenden Hängebrücken von Plattform zu Plattform. Auf jeder Plattform saß ein Mitarbeiter des Nationalparks und achtete darauf, dass der Abstand zwischen den Besuchern eingehalten wurde und keiner zu lange auf einer Hängebrücke oder Plattform stand, um Fotos zu machen.

    

11.1-Canopy-Walk

 

11.2-Canopy-Walk

 

Der Canopy Walk war ein tolles Erlebnis. Ich hätte gerne etwas mehr Zeit gehabt, um mich in Ruhe umzuschauen und die Eindrücke auf mich wirken zu lassen. Aber das war leider nicht möglich.

Damit war das Jungle Trekking fast beendet. Wir liefen wieder in Richtung zum Resort. Unterwegs gab Jesco eine kleine Klettervorführung als Tarzan an einer Liane und zum Schluß machte der Guide ein Foto von uns vor einem gewaltigen Baum.

    

11.4-Klettereinlage

 

11.5-Abschlußbild

 

Um kurz nach 12 Uhr waren wir wieder zurück im Resort. Für den Nachmittag stand eine Bootstour über Stromschnellen und der Besuch einer Siedlung von Urweinwohnern, den Orang Asli, auf dem Programm. Dies sollte um 15 Uhr beginnen. Wir hatten also etwas Freizeit.

Der Guide hatte Jesco angeboten, ihn in der Mittagspause mit zu sich nach Hause zu nehmen. Jana und Thomas wollten mit den anderen Kindern ins Chalet. Und wir Heddrichs hatten mal wieder Hunger. Daher schlossen wir uns dem Guide und Jesco an, die mit dem Boot über den Fluss nach Kuala Tahan fahren wollten.

Auf der anderen Flussseite trennten sich unsere Wege. Wir Heddrichs kauften zunächst in einem der kleinen Läden etwas Obst und Kekse, die wir auf Anraten des Guides als Gastgeschenk für die Orang Asli mitbringen wollten. Dann liefen wir zurück zum Fluss und aßen auf einem der schwimmenden Restaurants jeder eine Portion gebratenen Reis. Gestärkt fuhren wir wieder mit dem Boot zurück über den Fluss und ruhten uns noch etwas im Chalet aus.

Jesco war auch schon dort und zeigte uns einige Tüten voll mit Früchten (Rambutan und Longan), die er bei seinem Ausflug mit dem Guide geerntet hatte.

Und dann war es auch schon Zeit, uns für den nächsten Programmpunkt, den „Rapid Shooting und Orang Asli“-Ausflug, fertig zu machen. Dafür sollten wir Sachen anziehen, die schnell trocknen würden, hatte uns der Guide gesagt. Daher zogen wir kurze Hosen, T-Shirt und Flipflops an und nahmen nur die Gastgeschenke für die Orang Asli mit.

Startpunkt war der Bootsanleger vom Resort. Dort wartete schon unser Guide und ein Boot auf uns.

     

12.1-Boot

 

Wir bekamen vom Guide große Müllbeutel, in die wir unsere Sachen packen sollten, um sie vor Spritzwasser zu schützen. Wir stiegen in das schmale Boot, in dem immer nur zwei Personen neben einander Platz hatten, und zogen die bereit liegenden Schwimmwesten an.

Und dann ging es in flottem Tempo flussaufwärts.

   

12.2-Bootsfahrt

 

Ich wunderte mich, warum wir unsere Sachen in den Plastiksäcken hatten verstauen sollen. Das Wasser war ruhig und auch wenn der Bootsrand nur 10 cm über dem Wasser lag, konnte ich mir nicht vorstellen, was da spritzen sollte.

Das wurde mir schlagartig klar, als sich uns ein anderes Boot, ebenfalls mit Touristen besetzt, näherte und der vorne auf dem Boot hockende Guide sein Paddel ins Wasser hielt. Dadurch erzeugte einen schönen Wasserschwall. Und als das andere Boot ein paar Mal an uns vorbeifuhr, landete dieser Wasserschwall unter dem lauten Gelächter der anderen Bootspassagiere genau auf uns und in unserem Boot. Dadurch wurden wir vollkommen durchnässt. Die Kinder fanden es super, insbesondere als unser Guide uns dann „rächte“ und ein anderes Boot und sein Insassen nass spritzte.

   

12.3-Bootsfahrt-nass

 

Die Fahrt mit dem Boot den Fluss entlang fand ich super. Die Kulisse war wie in einem Abenteuerfilm: Das braune Wasser des Flusses, beide Ufer dicht mit Bäumen bewachsen, und dann kamen noch ein paar echte Stromschnellen („Rapids“).

    

12.4-Bootsfahrt

 

Leider ging die Fahrt für meinen Geschmack viel zu schnell vorbei, nach 20 Minuten tauchte auf der linken Seite das Dorf der Orang Asli auf.

    

13.1-Orang-Asli_Dorf

 

Das Boot legte an und wir liefen in unseren nassen Sachen den Hügel hoch zu den Hütten. Dort war schon einiges los, denn es waren schon andere Touristengruppen vor uns angekommen. Unser Guide führte uns zu einer Art überdachtem Vorführungsraum und erzählte uns kurz etwas über die Orang Asli.

   

13.2-Orang-Asli_Dorf

 

Dann kam ein sehr schweigsamer Orang Asli, dem der Guide unsere Mitbringsel übergab. Der Mann führte anschließend vor, wie er mithilfe von Utensilien aus dem Dschungel Feuer machte.

    

13.3-Feuermachen

 

Dann schnitzte er in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit einen Blasrohr-Pfeil, den ich mir als Andenken mitnehmen durfte. Letzter Teil der Vorführung war das Blasrohrschießen. Dies führte der Orang Asli zunächst vor und dann durften wir auch probieren.

   

13.4-Blasrohrschießen

 

13.5-Blasrohrschießen

 

Nach der Vorführung ermunterte uns unser Guide, in dem Dorf herumzulaufen und uns umzusehen.

    

13.6-Orang-Asli-Hütte

 

13.7-Orang-Asli-alter-Mann

 

13.8-Orang-Asli_Dorf

 

Das „Dorf“ bestand nur aus wenigen Hütten, in denen teilweise Orang Asli saßen.

Wir fühlten uns etwas unwohl. Das lag zum einen daran, dass es auf uns den Eindruck machte, als hielte sich die Begeisterung der Einwohner über uns Touristen in Grenzen. Das konnte ich gut nachvollziehen, denn wir drangen ja tatsächlich in ihr Leben ein. Zum anderen wurde deutlich, dass die „Zivilisation“ doch schon Einzug ins das Leben dieser Ureinwohner genommen hatte. Überall lag Müll herum, insbesondere von den Mitbringseln der Touristen (gut, dass wir hauptsächlich Obst mitgebracht hatten) und die Einwohner trugen mehr oder weniger moderne Kleidung. Hinter den Hütten sahen wir zwei große blaue Kunststofftanks, die als Trinkwasserspeicher fungierten. Laut unserem Guide waren diese aus den Einnahmen der Touristenbesuche bezahlt worden.

    

13.9-Orang-Asli_Dorf

 

Nach etwas über einer Stunde sammelte uns der Guide wieder ein und wir stiegen den Hügel hinunter zu unserem Boot. Mit diesem fuhren wir dann wieder zurück zum Resort.

Im Chalet duschten wir erst mal und wuschen dann unsere nach Flusswasser riechenden Sachen im Waschbecken aus. Endlich konnte ich meine mitgebrachte Wäscheleine einsetzen, denn für die vielen Sachen fehlte uns der Platz zum Trocknen. Diese spannten wir quer durch das Wohnzimmer auf.

    

14.1-Wäsche

 

Um 18.30 Uhr gingen wir zum Restaurant und genossen unser letztes Abendessen im Taman Negara.

Zurück im Chalet waren alle satt und müde. Nur Thomas und ich wollten uns noch mal auf eigene Faust auf eine kleine Nachtwanderung begeben. Wir hofften, etwas anderes als Reptilien und Insekten zu sehen. Von den Kinder und den Frauen wollte uns keiner begleiten. Jesco und Daniel lagen sogar schon in ihren Betten im Wohnzimmer und spielten auf ihren Handys.

    

14.2-Jungs-im-Bett

 

So zogen Thomas und ich alleine los. Wieder in langen Sachen und mit Taschenlampen ausgerüstet, liefen wir zunächst auf den schwach beleuchteten Wegen durch das Resort. Plötzlich entdeckte Thomas hinter einer Hütte einige größere Tiere. Wir schlichen näher und konnten dann erkennen, dass es sich um eine Gruppe Wildschweine mit Frischlingen handelte. Spontan beschlossen wir, schnell den Rückzug anzutreten. Aber wir waren happy, dass unser Wunsch in Erfüllung gegangen war, ein „richtiges“ Tier zu entdecken. Aber es sollte noch besser werden. Auf dem Weg kamen uns Leute entgegen, die uns berichteten, dass um die Ecke ein Tapir fressen würde. Wir konnten es erst nicht glauben, aber tatsächlich sahen wir den Tapir wenige Augenblicke später mit eigenen Augen. Er fraß in aller Ruhe und ging dabei zwischen den Hütten des Resorts von Busch zu Busch. Unser Guide hatte uns vom diesem an Menschen gewöhnten Tapir erzählt. Aber ihn tatsächlich zu sehen, war ein einmaliges Erlebnis. Der Tapir war ziemlich groß. Er ließ sich nicht von uns stören als wir fotografierten. Wir hätten ihn sogar berühren können, so nah kamen wir ihm.

Als immer mehr Menschen erschienen, gingen Thomas und ich weiter. Wir liefen aus dem Resort über die bekannten Holzstege in den Dschungel hinein – wir kannten uns ja schon ein bisschen aus. Es zog uns zu dem Aussichtsturm „Tahan Hide“, weil wir hofften, dass wir dort auf der Lichtung noch Tiere entdecken könnten. Wir hatten Glück, denn wir waren ganz alleine. In einiger Entfernung reflektierte etwas den Schein unser Taschenlampen – Tieraugen. Leider war nicht zu entdecken, um was für Tiere es sich handelte. Nach einer Weile, die Thomas und ich in absoluter Stille auf dem Turm gesessen hatten, kam eine Nachtwandergruppe. Sie stiegen zu uns auf dem Turm. Deren Guide entdeckte auch die Tieraugen und meinte, dass es sich um Sambar Deers handeln würde. Damit waren wir zufrieden und liefen zurück zum Chalet.

Dort berichteten wir den anderen von unserem Abenteuer. Diese wollten uns erst nicht glauben, aber wir hatten ja Beweisfotos.

     

14.3-Tapir2

 

Und damit endete unser zweiter und letzter Tag im Taman Negara. Am nächsten Tag wollten wir weiter in die Cameron Highlands fahren.

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